Meina Schellander - Flucht in die Distanz (2000)

Vorplatzgestaltung in Zusammenarbeit mit den Architekten Egger und Aichernig,
HTL Ferlach, Schulhausgasse 10, 9170 Ferlach

Architektur: Horst Aichernig / Edgar Egger

Der Vorplatz und Zugangsbereich des Gebäudes hat auf 33 m Länge ein Gefälle zur Schulhausgasse von 1,5 m. Die leichte Neigung verleiht dem Platz Bühnencharakter. Eine schräge Böschung, die mit der Neigung des Platzes zur Schulhausgasse flacher wird, begrenzt ihn an den drei Hofseiten des Gebäudes.

 

Zwischen den beiden Seitenfronten des Bauwerks (Abstand ca. 33 m) hängt im Nahbereich des Eingangs ein ovaler, leicht geschwungener Aluminium-Kegel mit einer zu einem Schaft ausgebildeten Spitze (6,5 x 1,5 x 1,2 m; Abstand zum Boden 2,6 m; Gussoberfläche geschliffen) von 10,6 – 9 m Höhe herab, der mittels einer zweifachen Seilverspannung (Niroseil 14 mm) an den Gebäudeteilen verankert ist. Ein im Raum schwebendes Gewicht, unter dem man sich bewegen und ein Gefahrenmoment bewusst werden lassen kann. Das vermittelt die Ambivalenz von Schönheit und Gefahr eines präzisen Instruments, von dem vor allem in dieser Schule die Rede ist.

Fotos:

Meina Schellander

 

Dem Gefälle des Vorplatzes ist eine schräg liegende Gegenrampe, ein flacher Bodenkeil von 1,2 m Höhe, 14 m Länge und 4,5 - 7 m Breite (einschließlich der Böschungen an den drei Seiten) eingefügt, der aus einer Distanz von 11 m auf den Kegelbereich hinweist. Dieser Hinweis wird verstärkt durch einen 8,8 m hohen Vierkantsteher (Formrohr 30 x 30 cm) mit einer nach unten abgewinkelten Pfeilkonstruktion aus zwei Formrohren (20 x 10 cm) und einem in der Pfeilspitze eingebauten Lichtstrahler, der die Richtung zum Kegel und der Hasenspur auch nachts beleuchtet. Der Steher ist an der höchsten Stelle des Bodenkeils tief verankert und bildet das Bein eines Hochsitzes (1,1 x 1,1 x 1,9 m), der wie ein rechter Winkel zuoberst montiert ist und einen Sitz für einen fiktiven Betrachter simuliert. Alle Elemente sind aus Aluminium und hellgrau beschichtet. Die Spiegelung der Szenerie in der Glasfassade der Gebäudefront betont die Raumtiefe und schafft eine ironische Verdoppelung.

 

Der gesamte Platz inklusive des Bodenkeils ist mit Platten aus Herschenberger Granit (30 x 30 cm) gepflastert. Ab der grünen Böschung an der Querfront des Schulhauses sind in einer geschwungenen Lauflinie über den gesamten Platz, zwischen den drei Bäumen, im Asphaltstreifen bis zur Begrenzungsmauer an der Schulhausgasse Alu-Gussplatten (ebenso 30 x 30 cm) mit den Spuren eines sitzenden, hoppelnden bis flüchtenden Hasen eingelegt. Die Fluchtspur eines lebenden Wesens ergänzt das Ensemble und führt gedanklich darüber hinaus.

Jagen und gejagt werden, Phänomene der Flucht und Distanz drängen sich auf.

 

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