Flora Neuwirth - Oase des Unveräußerlichen (2005)

Justizzentrum Leoben, Dr. Hanns-Groß-Straße 7+9, 8700 Leoben

Architektur: Josef Hohensinn Architektur

Flora Neuwirths Projekt für die Gemeinschafts- und Kommunikationsräume der Justizanstalt Leoben setzt sich aus Möbel-Samples der privaten Seite unseres Alltags zusammen, der Kulisse unserer Freiräume und Freizeiten.

 

Tische, Beistelltische, Stühle, Sofas, Fauteuils und Polster sind der Palette der gängigen Möblierung von Wohnräumen entnommen, ebenfalls zu sehen in den Ausstellungsräumen von XXX Lutz, Möma, Möbelix, Ikea, Möbel Ludwig, Leiner, Kika, Wittmann, Vitra …

 

Es sind Objekte aus Alltagskultur und Hochkultur – die Sichtbarkeit des künstlerischen Konzepts beschränkt sich auf das gleichzeitige Nebeneinander, eine andere räumliche Situation und die spezifische Farbgebung: die Verläufe von Gelb bis Magenta und von Cyan bis Gelb.

Die Anwesenheit des Entwurfs ist so weit zurückgenommen, auf die Manipulation von Oberflächen reduziert, dass er zum reinen Stichwortgeber wird: Er konfrontiert mit fast nichts, einer geringen Modifikation von Form, Farbgebung und Lichteinfall, von Raumstrukturen, ein beinahe unmerkliches Spielen mit kulturellem Tageslicht.

 

Es kommt ein künstlerischer Ansatz zum Tragen, dessen gestalterische Mittel ein gemeinsames Vokabular in Erinnerung rufen, ohne dessen Bestimmung vorwegzunehmen. Es ist ein Zurücksetzen der Ordnung der Dinge, vergleichbar dem Neu-Mischen eines Kartenspiels.

 

Oder: Flora Neuwirth erzeugt eine tatsächlich offene Kommunikationssituation – als Sprecher, der nur genau so lange spricht, bis er sich als Zuhörer zu erkennen gegeben hat, um sich dann schnell unters Publikum zu mischen.

 

Oder: Es ist ein Buchstabieren – so verlangsamt, dass das Alphabet selbst sichtbar wird, als Oase, Freiraum und Freizeit, unveräußerlich, selbst am Ort des Freiheitsentzugs.

 

 Text: Matthias Goldmann

 

 

„Eigentlich habe ich als Künstlerin die Rolle einer Innenarchitektin angenommen und einen Möbel-Mix aus unterschiedlichen Quellen und Zeiten zusammengestellt, der den Parallelalltag unterstützen soll.“ 

Flora Neuwirth

 

Flora Neuwirth

geb. 1971 in Graz, 1991-1995 Studium an der Universität der bildenden Künste Wien und Universität der Künste, Berlin; 1995-1997 Stipendienaufenthalt im MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles, und an der Cité International des Arts, Paris; lebt und arbeitet in Wien. Ausstellungen im In- und Ausland u.a.: Galerie der Stadt Schwaz; Kunstverein Wolfsburg; Kunsthalle Kiel; Kunsthalle Wien; Kunstmuseum Bonn. Projekte im öffentlichen Raum: Sportzentrum Schwaz, Tirol; Flughafen Graz-Thalerhof; Kulturhauptstadt Graz 2003; Lendplatz Graz; 1. Med. Univ.-Klinik, LKH Graz; Bürogebäude Landmark, Leibniz.

www.floraneuwirth.at

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